Muss ich diesen Schweinehund eigentlich füttern?

Muss ich diesen Schweinehund eigentlich füttern?

Letzte Nacht habe ich richtig schlecht geschlafen. So schlecht, dass ich am nächsten Morgen mit einem verspannten Nacken und mieser Laune aufgewacht bin. Nicht nur mit dem linken Bein aufgestanden, nein, mit der linken Körperhälfte – der Tag konnte einfach nicht gut werden. Noch dazu fiel mir ein, dass ich mir doch am Vorabend geschworen hatte, endlich mit dem Morgen-Workout zu beginnen und anstatt dem Franzbrötchen am Bahnhof auf Acai-Bowl und Obst umzusteigen. Na toll, zu den Nackenschmerzen kam obendrein noch das dumpfe Gefühl des Versagens. Endlich in der Bahn angekommen, mit Franzbrötchen in der Hand versteht sich, schweiften meine Gedanken schon wieder um die endlose To-do-Liste, die sich über das Wochenende angehäuft hatte. Ich wollte doch noch zur Post gehen, die Wäsche waschen und und und…

Ich kann mich nicht erinnern, seit wann ich diesen inneren Schweinehund hab. Er war plötzlich da und wurde mit den Jahren immer größer und unheimlicher. Vielleicht lag’s am Futter, aber mir hat nie jemand gesagt, was der Schweinehund genau frisst. Am Anfang hab ich versucht ihn zu ignorieren… das ging die ersten Monate ganz gut, klappt aber schon lange nicht mehr.

An manchen Tagen wäre ich gerne Top-Managerin im Silicon Valley. Die steht (nachts) um vier auf, schleppt ihren Körper voller Motivation ins Fitness-Studio nur, um anschließend die ersten Seiten des Lieblingsmagazins bei einer großen Tasse Tee und gesundem Frühstück zu essen. Um sieben Uhr sitzt sie dann vor ihrem Monitor und hat, ganz im Gegensatz zu mir, schon richtig was gemacht. Ich hingegen stehe morgens kurz vor knapp auf und habe nicht einmal Zeit für ein Frühstück. Abends falle ich nichtsdestotrotz todmüde um acht ins Bett, schlafe eine halbe Stunde, nur um bis 23 Uhr die Augen aufzuhalten. Irgendwo dazwischen schreibe ich vielleicht an meinem Blog oder klicke mich durch Netflix, that’s it. Das höchste der gesunden Gefühle ist ein Avocado-Toast am Abend… kein Workout, nichts. Das alles wäre, ohne diese Insta-Sportkanonen und Top-Manager aus dem Silikon Valley ja eigentlich gar kein Problem… eigentlich…

Muss ich diesen Schweinehund eigentlich füttern?

Immer dieser Schweinehund

Wäre da nicht dieser innere Schweinehund, der sich vor mir aufbäumt und mir ins Gesicht brüllt, was für eine miese Versagerin ich doch bin, wenn ich morgens nach meiner Bettdecke greife und apathisch den Snooze-Knopf meines Weckers drücke. Aber wieso lasse ich mir überhaupt ein schlechtes Gewissen einreden? Klarer Fall von Selbstüberschätzung. Wenn ich mir zum hundertsten Mal vornehme, morgens eine Stunde früher aufzustehen oder jetzt wirklich, aber wirklich, nie wieder Schokolade zu essen, sollte ich doch langsam wissen, dass das in meinen kühnsten Träumen nicht klappt. Manchmal versuchen wir verkrampft jemand zu sein, oder Dinge zu machen, die wir einfach nicht sind und die unsere Willenskraft übersteigen. Wieso also unsere Zeit mit miesen Gedanken verplempern, wenn wir uns einfach realistische Ziele setzen könnten?

Ich mache hier mal den Anfang: Anstatt mir also vorzunehmen, morgens noch vor dem Frühstück Sport zu treiben, versuche ich lieber eine Schale Müsli vor der Arbeit zu essen und 10 Minuten früher aufzustehen. Die unerledigten Punkte auf meiner To-do-Liste arbeite ich auch nicht an einem Abend ab, sondern nehme mir für morgen den wichtigsten vor. Wenn’s nicht klappt, ist übermorgen auch noch ein Tag.

About Leonie

Leonie Klara gründete den deutschsprachigen Blog All is Pretty 2014. Dieser befasst sich seither mit verschiedenen Themenfeldern rund um Reisen, Mode und Lifestyle.

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