Food Gentrification:Warum Food Trends gefährlich sind

Food Gentrification: Warum Food Trends gefährlich sind

It’s not (o)kale!

Warum Hipster Food-Trends die Welt ruinieren. Verdammt harte These, ich weiß. Und auch wenn der Berlin Mitte Hipster die folgenden Zeilen am liebsten ignorieren würde, möchte ich euch heute bitten zuzuhören. Food Gentrification ist ein echtes Problem. Es ist der Grund dafür, dass tausende… ach was sag ich, Millionen von Familien täglich ums Überleben kämpfen. Einst preiswertes lokales Gemüse und Getreide (beispielsweise Avocado, Quinoa und Kohl…) werden dank exorbitant hoher Nachfrage des Westens unbezahlbar in den Ursprungsländern. The problem in a nutshell.

Scrolle ich durch meinen Instagram-Feed reiht sich ein Avocado Toast an den nächsten. Matcha, Pumpkin-Spiced-Latte und ein „extra slim Cappuccino mit Sojamilch“ bilden das Spektrum der Heißgetränke – ein normaler Kräutertee? Undenkbar – weil eben zu normal. In großen Wellen werden wir in immer kürzer werdenden Intervallen von einem Food Trend nach dem anderen überrollt. Sind heute noch Avocado, Goji Beeren, Süßkartoffeln und Quinoa „In“ kann es morgen schon die Rettichwurzel sein, who knows! Und so pilgern die Hipster und Gourmets dieses Landes am Wochenende natürlich zum lieblings-organic-Restaurant der Stadt, um die ganze Palette der Super Foods zu ‘grammen.

Während wir uns also als weltrettende, Avocado Toast essende Superheroes im Deckmantel des Bio-Lifestyles sehen, geht die Rechnung auf der anderen Seite der Gleichung nicht auf.

Völlig überspitzt lautet das Problem: Reiche weiße Menschen entdeckten etwas, das es schon immer gibt, und machen es ihr Eigen. Quinoa, beispielsweise, gehört seit Jahrhunderten zum Grundnahrungsmittel in südamerikanischen Ländern wie Bolivien und Peru. Oh the irony: Während wir unsere Lunchbowl (wer isst schon noch aus Tellern?) mit Quinoa zubereiten, verdreifachte sich der Preis des Getreides zwischen 2006 und 2013 in den Ursprungsländern. Innerhalb der letzten Monate wurde Quinoa in manchen Regionen sogar teurer als Hühnchen. Überlegt euch das mal! Das wäre in etwa wie wenn der Besuch beim Metzger plötzlich günstiger als das Brot beim Bäcker ist. Die Konsequenz ist letztlich die, dass in den südamerikanischen Ländern Quinoa zu teuer wird und die Einheimischen nun auf günstigeres (aus dem Westen importiertes) Junkfood zurückgreifen müssen.

Gleiches Spiel nur anderer Name: die Avocado. Ich liebe liebe lieeebe (!!) Avocados. Wirklich. Mein Freund lachte mich regelmäßig aus, weil ich sie liebevoll „Avo“ nenne – aber was soll ich machen? Avo saved my salad! Nun ist es aber so, dass die Avocado so ziemlich den miesesten ökologischen Fußabdruck hat. Sie reist einmal um die halbe Welt, 2 ½ Avocados verbrauchen rund 1.000 (!!) Liter Wasser und in Mexiko führt der Anbau schon lange zur Rodung von Wäldern und Trinkwasser Knappheit.

Als Kind gab’s bei mir weder Avocado, noch Süßkartoffel oder Quinoa auf dem Tisch. Ich komme aus Schwaben, einer Region im Südwesten Deutschlands. Meine Eltern legen großen Wert auf frisches Essen und so kochten Mutter und Vater (fast) ausnahmslos selbst. Es gab Kässpätzle, Linsen, Zwiebelrostbraten, Maultaschen, Fisch, saisonale Suppen und mehr – der Asiawok war tatsächlich das höchste der fernöstlichen Gefühle. Und wisst ihr was? Wir wurden satt, sind glückliche Kinder und haben immer gut gegessen. Auch ohne Avocado haben Salat und Toast immer geschmeckt.

Food Gentrification – das Problem ist simpel!

Es gibt nur einen Weg (korrigiert mich bitte, wenn ich hier falsch liege) diese Abwärtsspirale zu stoppen: Regionale Ernährung. Deutschland hat eine breite Palette an Getreide, Gemüse und Obst. Vielleicht sollten wir uns samstags einfach wieder mehr Zeit nehmen, um auf dem Wochenmarkt einzukaufen. Die regionale Vielfalt wieder neu entdecken, zurück zum Ursprung. Ich mache hier niemandem den Avocado-Toast schlecht, stattdessen möchte ich euch bitten, beim nächsten Einkauf zweimal nachzudenken. Die Food Trends gehen auf Kosten anderer. Ob wir nun von Kinderhänden produzierte Kleidung kaufen oder das Preisgleichgewicht in Südamerika, Afrika und Asien stören, geht in gewisser Weise auf dieselbe Kappe.

Natürlich ist mir klar, dass die Entdeckung neuer Zutaten ein wichter Bestandteil der menschlichen Entwicklung ist. Italien hätte ohne den Import von Tomaten wohl nie Pizza und Pasta kreiert und so maßgeblich die italienische Küche geformt.  Allerdings sollte man sich die Frage stellen, ob die heimische Kartoffel nun tatsächlich permanent von der Süßkartoffel ersetzt werden muss. Ich für meinen Teil, habe dieses Spiel lang genug gespielt und möchte auf regionale und saisonale Gerichte umsteigen.

About Leonie

Leonie Klara gründete den deutschsprachigen Blog All is Pretty 2014. Dieser befasst sich seither mit verschiedenen Themenfeldern rund um Reisen, Mode und Lifestyle.

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